Andrey Smirnov & Ljubow Pchelkina

Sound in Z & The »Method« Group

Sound in Z
Experiments of the Russian avant-garde in the early 20 th century

In seinem Science-fiction Essay »Der Feind der Musik« (1917) beschreibt der junge Erfinder Jewgeni Sholpo eine Maschine, die entlang einer grafischen Partitur jeden beliebigen Klang generieren und damit ein ganzes Orchester ersetzen kann.
Gegen die Mystifizierung von musikalischer Schöpfung und Konzert setzte Sholpo mathematische Formeln und technische Apparate. Seine Ideen schlugen sich
vornehmlich im Klangfilm der frühen 1930 er Jahre nieder, fielen jedoch wie viele Ansätze der Klangpioniere den Kunstdoktrinen der Stalin-Ära mit ihrem Kampf
gegen den »Formalismus« zum Opfer. Mit seinem Vortrag führt Andrey Smirnov
in die Gedankenwelt der experimentellen Kunstepoche ein und legt verlorenes
Wissen frei.

The »Method« Group
and the Theory of Projectionism in Russia of the 1920s

Nach der Oktoberrevolution verzeichnete die neue Ideologie Sowjetrusslands die Hinwendung zu einer Kunst, deren Grundlage nicht länger abstrakte Emotionen, sondern Materialismus, exakte Wissenschaften und formale Analyse sein sollten. Unter der Bezeichnung »Projektionismus« entwickelte der Künstler Solomon Nikritin eine umfassende Kunsttheorie, der zufolge der Künstler »nicht Konsumartikel (einen Schrank, ein Bild) produziert, sondern eine METHODE (DER PROJEKTION)«.
An die Stelle der Inspiration und der geheimnisvollen Kreativität traten konkrete Konzepte wie das der Materie (Leinwand, Farbe, Körper, Klang usw.), der Textur und der Struktur. Die Mitglieder seiner Gruppe der »Methode« verwirklichten die projektionistischen Ideen in der Malerei, dem projektionistischen Theater und sonstigen Projekten.

Lectures in English - 18. Juni 2015, 18.30 Uhr