Iris van der Tuin & Felicity Colman

Diffractive Difference & The Dirty Digital

Diffractive Difference: Epistemological materials

Die diffraktive Methode ist eine Methode zur theoretischen Erfassung des Wissens und der Wissensproduktion, die sich von der eher klassischen theoretischen Reflektion kritisch absetzt. Karan Barad spricht von einer Performativität von Diffraktion, denn Dinge werden materiell durch Beobachtung und Beschreibung faktisch transformiert. Die Genealogie neuer materialistischer Theoriebildung befasst sich mit dem Verständnis der Materie als situierte Performance, wie Donna Haraway gezeigt hat. Der Vortrag beschreibt diese materielle Epistemologie und ihre Bedeutung für das Nachdenken darüber, wie Welt Materie performt.

The Dirty Digital: the matter of obsolescence

Künstler sind Experten im Plündern: Sie sammeln die Reste und eignen sich fremdes Material an, um die Materie in eine neue dauerhafte Form zu überführen. Doch die Voraussetzungen, unter denen die Materie in energetischer Form im digitalen Reich besteht und zirkuliert, bedürfen einer Überprüfung. Der Vortrag beschäftigt sich mit der schmutzigen Seite des Digitalen, den metallischen Abfallprodukten, die der Umwelt und den Recyclingarbeitern gleichermaßen schaden: Blei, Kadmium, Quecksilber, sechswertiger Chrom, Polybromide und verschiedene Polymere. Wie können Künstler mithilfe der Theorie des neuen Materialismus beim Umgang mit den krebserregenden Abfallprodukten unseres konsumptiven Verhältnisses zur Energie helfen? Im Mittelpunkt steht ein anwendungsorientierter und an die Künstler gerichteter Blick auf den neuen Materialismus.

Lectures in English - 2. Juli 2015, 18.30 Uhr